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M.  Psychotherapie Medik Arbeitsblatt · Toleranzfenster

Mein Toleranzfenster (Window of Tolerance)

Unser Nervensystem hat einen Bereich, in dem wir wach, präsent und handlungsfähig sind – das Toleranzfenster (nach Daniel Siegel). Stress, Überforderung oder alte Verletzungen können uns darüber hinaus in Übererregung oder darunter in Untererregung bringen. Beides sind Schutzreaktionen des Körpers, kein Versagen. Wer seine Zustände kennt, kann früher gegensteuern – und das Fenster mit der Zeit erweitern.

1Erkennen: Woran merke ich, dass ich das Fenster gerade verlasse? 2Regulieren: Was bringt mich zurück – beruhigen oder aktivieren? 3Erweitern: Was hält mich langfristig im Fenster?

Die gestrichelte Linie: So kann ein Tag verlaufen – hinaus aus dem Fenster und zurück. Ziel ist nicht, immer im Fenster zu bleiben, sondern schneller zu merken und zurückzufinden.

1 · Woran erkenne ich, wo ich gerade bin?

Meine Zeichen für ÜbererregungMeine Zeichen für Untererregung
Körper

z. B. Kiefer fest, flacher Atem, heiße Wangen

z. B. schwere Glieder, kalte Hände, Blick starr

Gedanken

z. B. „Ich muss sofort etwas tun“, Gedanken rasen

z. B. „Es ist egal“, Leere im Kopf, Worte fehlen

Gefühle

z. B. Angst, Ärger, Getriebenheit

z. B. Taubheit, Hoffnungslosigkeit, Scham

Verhalten

z. B. laut werden, weglaufen, hektisch aufräumen

z. B. im Bett bleiben, nicht antworten, Serien ohne Ende

2 · Meine typischen Auslöser und ersten Warnzeichen

Beispiel: Kritik im Job, Streit, zu wenig Schlaf, laute Orte – erstes Zeichen: Ich spanne den Kiefer an, mein Blick wird eng.

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3 · Was bringt mich zurück ins Fenster?

Kreuzen Sie an, was Sie ausprobieren möchten oder was Ihnen schon geholfen hat. Übererregung braucht Beruhigung, Untererregung braucht sanfte Aktivierung – oft ist das Gegenteil von dem, was man spontan tut.

Bei Übererregungberuhigen, verlangsamen, erden

  • Länger aus- als einatmen, z. B. 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus
  • Beide Füße fest auf den Boden, Rückenlehne spüren, Gewicht abgeben
  • Kaltes Wasser über die Handgelenke oder ins Gesicht
  • 5-4-3-2-1: fünf Dinge sehen, vier hören, drei fühlen, zwei riechen, eins schmecken
  • Langsam gehen, Schultern kreisen, Hände ausschütteln
  • Ruhige Worte an mich selbst: „Das ist Erregung. Sie geht vorbei.“
Meine eigenen Wege

Bei Untererregungaktivieren, orientieren, in Kontakt kommen

  • Aufstehen, strecken, zügig gehen oder Treppen steigen
  • Kaltes Wasser, Eiswürfel in der Hand, Fenster auf, frische Luft
  • Im Raum orientieren: Was sehe ich? Welcher Tag ist heute? Wo bin ich gerade?
  • Laut sprechen oder mitsingen, Musik mit Rhythmus, etwas Saures oder Scharfes essen
  • Fester Druck: Hände gegeneinander pressen, gegen eine Wand drücken, Igelball
  • Kontakt aufnehmen: jemanden anrufen, eine Nachricht schreiben
Meine eigenen Wege

4 · Mein Wenn-dann-Plan

Je konkreter, desto eher gelingt es im Moment. Beispiel: „Wenn ich merke, dass mein Kiefer fest wird, dann gehe ich ans Fenster und atme dreimal lang aus.“

Wenn ich merke, dass
dann
Wenn ich merke, dass
dann

5 · Was erweitert mein Fenster langfristig?

Beispiel: regelmäßiger Schlaf, Bewegung, verlässliche Kontakte, Pausen ohne Bildschirm, Grenzen setzen, Therapie.

Wer oder was hilft mir, wenn ich es allein nicht schaffe?

Beide Zustände sind Schutz, nicht Schwäche. Übererregung und Untererregung sind Reaktionen eines Nervensystems, das uns schützen will – oft gelernt in Zeiten, in denen sie nötig waren. Mit jedem Mal, das Sie ein Zeichen früh bemerken und gegensteuern, wird das Fenster ein Stück breiter. Bei Traumafolgen oder starker Dissoziation üben wir die Strategien zuerst gemeinsam in der Sitzung. In akuter Not: Telefonseelsorge 0800 111 0 111, im Notfall 112.

© Sevket Medik, M.Sc.-Psych. – Privatpraxis für Verhaltenstherapie, Valentinskamp 30, 20355 Hamburg · psychotherapiemedik.de · Konzept „Window of Tolerance“ nach Daniel J. Siegel (1999). Dieses Arbeitsblatt dient der Selbstbeobachtung und ersetzt keine Diagnostik oder Behandlung.