Wer gelernt hat, Gefühle zurückzuhalten, hatte dafür meist gute Gründe: Sie wurden nicht gehört, führten zu Streit oder galten als Schwäche. Mit der Zeit entsteht daraus oft zweierlei – Gefühle bleiben unausgesprochen, und der Eindruck wächst, dass es sowieso nichts ändert, was ich tue (erlernte Hilflosigkeit). Beides war einmal Schutz. Dieses Blatt hilft, den Kreislauf zu erkennen und ihn an einer kleinen Stelle zu unterbrechen.
Der Kreis lässt sich an zwei Stellen unterbrechen: bei 2 (das Gefühl wahrnehmen und aussprechen) und bei 4 (den Gedanken prüfen und klein handeln). Genau dort setzt dieses Blatt an.
1 · Situationen dieser Woche, in denen ich ein Gefühl zurückgehalten habe
Falls die Worte fehlen – hier eine Auswahl:
| Situation | Was ich gefühlt habe Gefühl · Stärke 0–10 | Was ich gezeigt oder gesagt habe | Was ich eigentlich gebraucht hätte |
|---|---|---|---|
| Kollege gibt mir am Freitag um 16 Uhr noch eine Aufgabe. | Ärger 7, Überforderung 6 | „Klar, mach ich.“ Gelächelt, länger geblieben. | Sagen, dass es heute nicht mehr geht – und Montag anbieten. |
2 · Meine Regeln über Gefühle – woher sie stammen
Beispiel: „Gefühle zu zeigen ist … eine Last für andere.“ – Gelernt zu Hause, wo Ärger sofort Streit bedeutete. Stimmt heute noch? Bei meiner Partnerin eigentlich nicht.
3 · „Es bringt ja doch nichts“ – ein Gedanke auf dem Prüfstand
Hilflosigkeit fühlt sich wie eine Tatsache an, ist aber ein Gedanke – gelernt aus Erfahrungen, in denen wirklich nichts half. Prüfen Sie ihn so fair wie einen Gedanken über einen guten Freund.
z. B. wie andere reagieren, Entscheidungen meiner Vorgesetzten
z. B. ob ich es anspreche, wann, mit wem, wie oft ich es versuche
4 · Mein kleiner Schritt: ein Gefühl aussprechen
Klein heißt: eine Person, ein Gefühl, ein Satz. Eine Ich-Botschaft beschreibt, was in mir ist – kein Vorwurf: „Ich fühle mich …, wenn … Ich brauche / wünsche mir …“
© Sevket Medik, M.Sc.-Psych. – Privatpraxis für Verhaltenstherapie, Valentinskamp 30, 20355 Hamburg · psychotherapiemedik.de · Dieses Arbeitsblatt dient der Selbstbeobachtung und ersetzt keine Diagnostik oder Behandlung.